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Karfreitag in Deutschland. Angelehnt an das
vermeintliche Leid einer Fabelfigur, ein Tag ohne Freude, Spaß
und Fußball. Immerhin bleibt einem weiterhin die Möglichkeit,
die Osterfeiertage für einen kurzen Trip über die Grenze oder
sogar die Grenzen zu nutzen. Unsere Wahl fiel auf das
nordfranzösische Dunkerque. Gefühlt habe ich die Hafenstadt,
deren Namen mich mal bewusst mal unbewusst vor ziemliche
Probleme stellte, bereits seit zehn Jahren auf meiner kleinen
Reise-Wunschliste. Am Abend des Gründonnerstags war es so weit
und wir drei bezogen ein kleines Appartement 50 Meter vom langen
und breiten Sandstand des lebhaften Stadtviertels
Malo-les-Bains. Hier konnten wir am höchsten Feiertag der
Christenheit in der Ruhe der Nebensaison die langsam erwachende
Stadt erkunden. Auch und vor allem dank ihrer herausragenden
Rolle im zweiten Weltkrieg hat Dunkerque genug für einen kurzen
Städtetrip zu bieten. Nun gibt es jedoch wenige Ausflüge, die
nicht auch irgendwie an ein Fußballspiel vor Ort gekoppelt sind.
Überraschung. So war es auch dieses Mal. Am
Freitagabend empfing der örtliche Zweitligist USL Dunkerque die
Mannschaft von Rodez AF aus Aveyron. Die Planung des
Spielbesuchs war kein großer Akt. Einzig das Ticketsystem der
Hausherren war so unintuitiv, dass ich im Eifer des Gefechts
eine Karte zu viel buchte. In der Hoffnung, jemanden mit dem
überzähligen Ticket glücklich zu machen, trat ich den
halbstündigen Fußweg von der Ferienwohnung zum Stade Marcel
Tribut früh an. Rund um das recht frisch renovierte Stadion war
schon einiges los. Eine Tageskasse und entsprechende Abnehmer
für das Ticket suchte ich jedoch vergeblich. Also ließ ich noch
etwas mehr Geld vor Ort, kaufte mir einen Wimpel im Fanshop und
enterte anschließend die Gegengerade. Der stilvolle, moderne
aber mit nur gut viertausend Plätzen auch sehr kleine Ground
besteht aus drei Tribünen. Die Haupttribüne und ihr Gegenüber
sind sich recht ähnlich. Allerdings hat man erstere mit einem
dritten Rang mit Logen versehen. Komplettiert wird das Ensemble
durch einen typisch französischen Gästekäfig etwas abseits des
Geschehens in der nordöstlichen Ecke des Platzes. Immerhin
fanden sich ein Dutzend Gästefans dort ein und verbrachte den
Abend wie Tiere im Zoo.
Der überraschend gute Support der
Hausherren wurde von der Gegengerade organisiert. Fußballerisch
ließ mich auch diese Partie im französischen Unterhaus ratlos
zurück. Als Schalker ist man aus den Vorsaisons einiges gewohnt
und doch wusste man das hier wieder zu toppen. Mit etwas mehr
Motivation und Französischkenntnissen würde ich gerne die
Passquoten oder vergleichbare Statistiken raussuchen. Es war
daher mehr als verwunderlich, dass es beide Mannschaften
tatsächlich schafften, mit je einem respektablen Spielzug zum
Torerfolg zu kommen. Den in Gelb spielenden Gästen gelang der
Führungstreffer in der 25. Minute nach einer Flanke von der
Grundlinie, die vor dem Tor nur noch eingenickt werden musste.
Dunkerques Bardeli glich 15 Minuten vor Schluss per Lupfer
clever aus. Der Ausgleich brachte Feuer in die
Schlussviertelstunde der zuvor oft ereignisarmen Partie.
Trotzdem blieb es beim 1:1, meinem fünften Spiel in Folge mit
nur zwei oder weniger Treffern.
Fotos Sightseeing
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