| |
Ende Juli durfte ich mich endlich aus der
Sommerpause zurückmelden. Wie schon in den vergangenen Jahren,
war die fußballfreie Zeit fast wortwörtlich zu nehmen. Ich
verzichtete selbstverständlich auf Trumps und Infantinos
Kasperletheater und semi-motivierte Testspiele in der Umgebung.
Eine kleine und wirklich feine Ausnahme gab es trotzdem. Die
letzten Tage der Elternzeit nutzten Lynn und ich, um dem
Schalker Training zwei Mal beizuwohnen. Meine Tochter flitzte
dabei auffallend sicher und motiviert mit dem Ball um den
Trainingsplatz und sammelte Fotos mit dem gesamten Kader. So
richtig los ging es dann, wie zuletzt vor drei Jahren, mit den
Tukkern aus Enschede und ihrem Weg nach Europa. Die erste Hürde
markierte Ferencvaros Budapest als Gegner in der zweiten Runde
der Europa League-Quali. Ein namhafter Gegner, den ich jedoch
für mehr als schlagbar befand. Ob ich mit meiner Einschätzung
recht hatte, würden Max und ich nach einer gewohnt entspannten
und zügigen Fahrt in die Twente-Region erfahren.
Da die Nachfrage nach Tickets bei Schalkes
Freunden vom FCT etwas verhalten daherkam, konnte ich für uns
Tickets im Unterrang der südlichen Ecke erwischen. Die Plätze
waren ein Volltreffer und bescherten uns einen grandiosen Blick
ins imposante Stadion des FC Twente. Apropos „grandios“: Ich
hielt nur fünf Minuten des Spiels aus, bevor ich die erste Runde
„Twente ham“ holte. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Hausherren
bereits mit 1:0 führen müssen und so meine anfangs aufgestellte
These der Kräfteverhältnisse untermauern können. Ausgerechnet
Neuzugang, WM-Teilnehmer und Hoffnungsträger Wout Weghorst
versagte jedoch kläglich frei vor dem Tor. Twentes Neuner wirkte
in dieser Situation wie kurzzeitig paralysiert. Somit passte es
ins Bild, dass stattdessen Ferencvaros nach einer Viertelstunde
überraschend in Führung ging. Vielleicht tat ich dem ungarischen
Serien- und Rekordmeister mit meiner westeuropäischen Arroganz
Unrecht. Auch wenn die Kicker aus der Budapester Franzstadt im
Sommer nach sieben Jahren erstmals als Zweiter und hinter Györ
einliefen, präsentierten sie sich hier und heute bisher
meisterlich.
Spätestens mit dem Führungstreffer drängte
sich auch der Gästeblock akustisch in den Vordergrund. Auf
Seiten des Heimteams schien nicht nur ich überrascht vom
Auftritt der Gäste, sodass die Ernüchterung überall zu spüren
war. Immerhin gelang einige Minuten vor der Pause der dann auch
verdiente Ausgleich. In der Pause schaute ich auch auf die
zeitgleich stattfindende Partie des FC St. Gallen, wo sich
wahrscheinlich unser anstehender Urlaub und die nächste
Quali-Runde für die „Espen“ kreuzen werden. Der Blick in die
Schweiz machte mehr Spaß als das, was Twente unten auf dem Rasen
bot. Mal wieder holte mich der Besuch in Enschede weder
fußballerisch noch stimmungstechnisch ab. Zum Glück waren die
Gesellschaft und die Verpflegung weiterhin gut. Zehn Minuten vor
dem Ablauf der Partie kassierte der FCT sogar noch das 1:2 und
muss nun beim Rückspiel in Budapest abliefern, um nicht in die
Quali-Phase der drittklassige Conference League abzusteigen.
Hier würde der nächste Gegner nicht Fenerbahce oder Zabrze
sondern Dunajska Streda oder Velez Mostar heißen. So oder so
hoffe ich, dass man es in die Liga-Phase des Europacups schafft.
|
|